Sabine & Olaf go Down Under


12. Dezember 2008

Blue Mountains

Kategorie: 03 Sydney -> Melbourne – Olaf – 11:22

Bevor jetzt der Blue-Mountains-Bericht kommt allen Schreibern vielen Dank für Eure Kommentare! Wir lesen das gern und freuen uns über jeden, der da was schreibt. Also immer weiter so!
Und Ihr seid Eurer Zeit alle immer etwas voraus, denn wir sind ja hier schon mit allem 10 Stunden eher dran.

Blue Mountains, 08.-10.12.
Montag früh ist es nun an der Zeit, Sydney zu verlassen. Wir checken aus dem Hotel aus und ich frage den Typen an der Rezeption, ob er uns ein Taxi ruft. Heute scheint mein Charme nicht zu wirken denn er meint, wir sollten uns lieber eins vor dem Hotel heranwinken. Hmmmmm, warum denn das? Ach, ich vergaß bisher zu erwähnen, dass wir in Sydney in der angesagtesten Gay-Ecke gewohnt haben und auch unser Hotel (nebst Personal) in der Szene tief verwurzelt scheint. Jedenfalls hatte ich bisher immer gute Karten, wurde sehr zuvorkommend behandelt und Sabine wollte mich immer sehr ungern allein dort umherziehen lassen…. ;-) Aber der Typ wollte mir jetzt gerade nix Böses sondern uns sicher nur die Anfahrtskosten des Taxis ersparen.
Jedenfalls kam nach kurzer Zeit Daumen raus auch gleich ein Gefährt. Der Fahrer will gern mit uns ein Gespräch anfangen, aber das ist leider nicht möglich, no way! Er spricht so einen Kauderwelsch von Akzent, dass es mir so geht wie in Deutschland im tiefsten Bayern oder mit Schweizern; ich verstehe kein Wort! Das was ich ihm sage passt wahrscheinlich nicht wirklich zu seinen Fragen. Nach einer Weile merkt er es und läst uns in Ruhe. Seinen klapprigen Ford Falcon hat er trotz fehlendem linken Arm im Griff und kennt sich in der Stadt gut aus, so dass wir flott bei der Vermietstation von Britz/Maui ankommen.
Jetzt gibt es also erstmals einen Camper für uns, na schauen wir mal. Ich sage der freundlichen Dame von der Vermietstation, dass sie uns alles genau erklären möge, da es, wie schon erwähnt, unsere erste Begegnung mit so einem Gefährt ist. Dafür sind sie dort aber gut gerüstet und wir bekommen einen tragbaren DVD-Player mit kompletter Bedienungsanleitung in die Hand gedrückt und sollen uns das mal anschauen. Danach sind kaum noch Fragen offen, wir klären alle Formalitäten, und dann soll es losgehen.
Naja, ganz so ohne ist es nun aber doch nicht, sich mit so einem Bus mit Rechtslenker und im Linksverkehr sofort in das Verkehrsgewühl einer Stadt wie Sydney zu stürzen. Aber was bleibt uns weiter übrig? Also runter vom Hof, links abbiegen und erstmal mitschwimmen. Der VW LT ist nicht mehr ganz neu, hat schon knapp 200.000 km weg und klappert ganz ordentlich. Aber er tut’s. Zum Glück haben wir von der Vermietstation eine Wegbeschreibung Richtung Blue Mountains bekommen, so dass mich Sabine erstmal gut durch den Großstadtverkehr lotsen kann. In Höhe des Olympiaparks (hallo Catherine!! ;-) ) verpasse ich dann aber doch die Auffahrt auf den Great Western Highway, Mist! Aber siehe da, es hat auch sein Gutes. Denn da kreuzt noch ein Shopping Center mit einem Coles unseren Weg und wir müssen ja noch was einkaufen.
Also schnell in die Einfahrt zur Tiefgarage rein doch halt! Da war doch was mit der Höhe vom Auto???? Stimmt, steht groß vor mir in rot innen an der Windschutzscheibe, Höhe 2,8 m, und die Einfahrt hat nur 2,2 m. :-( Also schnell rechts weg und den Weg durch die Ladezone genommen. Man schaut uns dort mit unserem Camper komisch an….. Nach einer Extrarunde um das Center der zweite Versuch. Nun die Rampe zum Parkdeck hoch bis da wieder so eine Tafel auftaucht mit Einfahrthöhe 2,2 m……. Diesmal grüßt man uns schon beim Weg durch die Ladezone…… Einen dritten Versuch mache ich nicht, wir parken irgendwo draußen. Im Center gehen wir erstmal frühstücken.
Danach wird Proviant für die nächsten Tage gefasst. Als wir mit dem Einkaufswagen vorm Camper stehen stellt sich die Frage, wohin mit dem ganzen Zeug? Irgendwie bringen wir es dann alles unter und der Kühlschrank wird dabei auch gleich in Gang gesetzt. So, und jetzt los in die Berge.
Der Kühlschrank macht aber gleich Sperenzien. Die Türsicherung ist so ausgeleiert, dass sich in den Kurven die Tür dauernd öffnet und den Kühlschrankinhalt in den Camper entlässt. Sabine ist verbotenerweise während der Fahrt immer mal auf dem Weg nach hinten, um da wieder Ordnung zu schaffen. So geht das nicht, also erstmal links ran, einen  Koffer vor die Kühlschranktür geklemmt und dann ist vorerst Ruhe.
Auf unserem Weg wird das Wetter immer schlechter und es beginnt bald heftig zu regnen. Der Bus quält sich die Berge hoch und es schüttet teilweise ganz ordentlich. Ist hier jetzt nicht eigentlich richtig Sommer und man leidet immer unter Wasserknappheit? Wir fahren bis Katoomba, was das touristische Zentrum der Blue Mountains ist. Dort gibt es auch die berühmte Felsformation der Three Sisters zu sehen. Am Echo Point angekommen regnet es gerade mal kurz etwas weniger, und so können wir schnell einen Blick auf die drei Damen werfen. Sabine hat berechtigterweise Einwände, dass die Sisters nur zu dritt sind.  :-)

   

Der Regen treibt uns gleich wieder in den dortigen Info Point. Als Erstes erkundige ich mich nach der wheather forecast, und die besagt für heute: rain and thunderstorm. Gut, das stimmt ja mit dem überein, was wir bisher gesehen haben. Aber morgen soll es schöner werden. Ich frage noch nach dem Campervan Park, aber der ist ausgebucht. :-( Aber der Mann ist sehr nett und ruft für uns in Blackheath an, etwa 20 km weiter nördlich. Und dort ist was frei und wir fahren hin. Uns empfängt ein idyllischer Campground mit einer netten schwatzhaften älteren Dame als Bewirtschafterin, und wir mieten uns ein. Auf Platz 21 müssen wir nun erstmal das Auto verkabeln, hat man ja noch nie gemacht. Mit dem Strom klappt es nicht so recht, aber die Steckdose am Bus macht mit ihren verkohlten Kontakten auch einen Eindruck, als wäre sie schon des Öfteren etwas überlastet gewesen. Dank Leatherman wird das aber schnell erledigt, Kontakte geputzt, und der Strom kann fließen.
Jetzt noch eine Entenfamilie verjagt und unser lauschiges Picknick kann beginnen. Es ist aber mehr als ungemütlich, und als dann noch tief hängende Regenwolken über den Campground ziehen, verziehen wir uns in die Koje; Gute Nacht!

               

Der nächste Morgen ist herrlich. Sonnenschein und blauer Himmel, soweit das Auge reicht! Wir machen uns draußen ein schönes Frühstück, worauf so manches Federvieh nur gewartet zu haben scheint.

                

Wir entschließen uns hier zu bleiben und eine Wanderung zu machen, da wir die hochtouristischen Regionen ja sowieso eher meiden wollen. Unsere Campground-Mutter empfiehlt uns den Popes Glen Track zu erwandern und wir machen uns los. Hier in der Gegend haben vor 2 Jahren extreme Buschbrände gewütet und diese sind auch bis direkt an den Campground gekommen. Daher ist das Gebiet entlang des Tracks eine recreation area, und man sieht es der Natur auch an. Viele Stämme der Bäume sind entweder kahl oder noch tief geschwärzt, aber überall grünt und blüht es trotzdem unwahrscheinlich. Erstaunlich, wie sich die Natur aus sich heraus regeneriert, sie braucht uns dazu wahrlich nicht!

                                   

Wir wandern so ca. 1,5 Stunden, genießen die Natur und kommen unterwegs an unglaublich idyllischen Bachläufen vorbei.

   

Dann öffnet sich der Wald und gibt uns den Blick auf das Grose Valley frei, unglaublich schön!! Wir schauen und schauen und ja, die Mountains sind wirklich Blue.

                       

Wir lassen uns viel Zeit und gehen noch weiter in Richtung des einen Wasserfalls, des Govett Leap. Der stürzt kurz nach dem Punkt, an dem Sabine ihre Beine in dem Bach baumeln lässt, ca. 200 Meter in die Tiefe. Eine unglaubliche Szenerie, und wir sind fast allein dort.

       

Fast, denn wir treffen auf drei Leute, die gerade versuchen, sich mit Hilfe eines kleinen Stativs alle Mann vor dem Wasserfall selbst zu fotografieren. Ich frage, ob ich das nicht vielleicht besser tun soll, aber sie sind schon fertig und lehnen ab. Jetzt unterhalten sie sich französisch, und da muss ich doch einfach mal fragen, ob wir denn nun hier ein european meeting machen? Und es stellt sich heraus, dass die jüngere der beiden Frauen aus Frankreich kommt, seit 3 Jahren hier lebt und gerade ihre Eltern zu Besuch hat. Wir schwatzen noch ein wenig, dann zieht jeder weiter seines Weges. Für uns heißt das, erstmal etwas zu essen aus dem Rucksack holen.

       

Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Rückweg, tief beeindruckt von dieser grandiosen Natur. Auch diverse Pflanzen haben wir unterwegs gesehen, und natürlich die allgegenwärtigen Echsen.

                

Am Abend drehen wir noch eine Runde durch Blackheat. Der Ort hat aber nicht viel zu bieten. Eine Kreuzung, rechts davon ein paar Läden, ein Hotel und eine Tankstelle, links davon ein Burgerladen, eine Autowerkstatt und noch eine Tanke. Also zurück zum Campground und noch etwas in die Tasten gehauen.

Für den Mittwoch haben wir mehr oder weniger einen Reisetag eingeplant. Wir müssen ja nun schauen, dass wir mal weiter Richtung Melbourne kommen. Dort werden wir immerhin am 15.12. erwartet, und das ist eine Strecke Wegs, auf der wir noch viel sehen wollen! Also packen wir nach einem ausgiebigen Frühstück, zusammen mit unseren gefiederten Gästen, beizeiten unseren Bus zusammen, holen uns bei unsrer Campground-Mutter unseren Schlüssel deposit zurück und lassen uns noch ordentlich Streckenhinweise geben.

   

Im Ort gibt es doch noch ein Café mit freiem WLAN-access, und so können wir schnell noch bei einem Kaffee die Sydneyberichte in den Blog laden.
Wir fahren erst nördlich nach Hartley, um dann noch einen kurzen Abstecher zu den Jenolan Caves zu machen. Die Straße dorthin ist eine ziemliche Serpentinengurkerei, die man teilweise nur im 2. Gang fahren kann. Der Bus quält sich durchs Gebirge.
Die Höhlen sollen die größten und ältesten Kalksteinhöhlen der Welt sein. Wir nehmen an einer guided tour teil, da man allein nicht viel erlaufen darf. Der guide ist ein lustiger Bursche und so wird die reichliche Stunde in der kalten Höhle zusammen mit einer international bunt gemixten Truppe (Australier, Koreaner, Chinesen, Russen) recht kurzweilig. Als der guide dann mit Hilfe eines Gruppenspielchens noch das Alter der Höhle von 430 Mio Jahren demonstrieren will, gebe ich als volunteer noch mal schnell den Dinosaurier.

                   

So, jetzt gilt es aber etwas Strecke machen. Wir fahren über Oberon, Black Springs, Porters Retreat, und Taralga bis Goulburn. Das nimmt reichlich 2 Stunden in Anspruch, da die Route teilweise unsealed ist, also nicht asphaltiert. Über Goulburn hatte uns unsere Campground-Mutter erzählt, das dies die erste australische Inlandsiedlung ist. Als die Siedler Sydney gegründet hatten, bei Parramtta ihre Farmen aufgeschlagen, und dann doch noch mehr Land benötigten, erkundeten sie das Inland und ließen sich erstmals hier nieder und gründeten den Ort. Alt ist aber schon ein relativer Begriff, denn alles, was hier älter als 150 Jahre ist, gilt als steinalt.
Wir fahren jedoch weiter und nehmen nun den Hume Highway nach Westen. Wir schaffen heute insgesamt ca. 350 km bis Gundagai, denn wir dürfen laut den Vermietbedingungen nicht im Dunkeln fahren, da gibt es keine Versicherung. Auf Nebenstraßen soll man auch möglichst schon am Nachmittag gut aufpassen, da die Kangaroos und Wombats dann unvermittelt die Straße kreuzen können und das wird dann fatal. Wir haben auf dem Weg von Oberon nach Goulburn auch schon viele tote Roos und Wombats am Straßenrand liegen sehen.
In Gundagai suchen wir uns einen Caravan Park und machen uns noch einen netten “Italienischen Abend”, bevor ich mich mit der Route für den nächsten Tag beschäftige.

   

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5 Kommentare »

  1. Mensch! da habt ihr einem ja viel zu lesen und schauen gegeben!
    so richtig glücklich schaut ihr aber auf den Fotos nicht grad aus!? dabei habt ihr doch so viel schönes zu sehen… also demnächst mal mehr lächeln! ;)
    zu den verkohlten Bäumen kann ich nur sagen: die Natur sie wächst und wächst ;)
    die erste Fahrt und der ganze Tag klang ja ganz schön abenteuerlich mit dem vielen Regen und dem wohl etwas kaputten Bus. aber der Rest klang doch schon, als wär es ganz schön bei euch, so dass man sich keine Sorgen machen muss :)
    dann fahrt mal fein weiter!

    Kommentar von Die Laura — 12. Dezember 2008 @ 12:34

  2. Die Camper!
    Sehr lockere und humorvolle Schreibe der Herr Papa, macht Spaß von euren Abenteuern zu lesen. Stellt weiter so viele Bilder ein, damit auch ja schön eifersüchtig werden. ;-) Und Laura hat recht, weniger Drama auf den Bildern, mehr Lächeln. Habt ihr eure gefiderten Freunde mitgenommen. Und wenn ja, tot oder lebendig?
    Dann bleibt mal weiter in der Spur. ;-)

    Kommentar von Inga — 12. Dezember 2008 @ 22:39

  3. Ein freundliches “Hallo” aus dem weiß-verschneiten Leipzig. Man kann es ja fast gar nicht glauben, dass Ihr im Dezember unterwegs seid. Die herrlichen Naturaufnahmen und Ihr Beiden kurzhosig vor´m Wohnmobil… Hoffentlich klappt es mal mit einem Bild von Kangaroos und Wombats - ohne Zusammenstoß natürlich. Weiterhin gute Reise!

    Kommentar von Bettina — 13. Dezember 2008 @ 14:27

  4. Dieser Beitrag trug sehr zur behaglichen 3.Advent am heimischen Herd bei - vielen Dank!

    Kommentar von WolfRam Dix — 14. Dezember 2008 @ 18:23

  5. Liebe Sabine, lieber Olaf,
    endlich habe ich mal die Zeit gefunden, Eure Tour aus der Ferne ein wenig mit zuverfolgen.
    Großes Kompliment an den Autor, sowie an den Bildredakteur - macht richtig Spaß Eure “Abenteuer” mitzuerleben.
    Ja, es fällt schwer, neidlos beim Angesicht dieser Bilderflut zu bleiben. Erst recht, wenn man sich bei diesem mitteldeutschen Schmuddelwetter den Hintern verkühlt, dann schon lieber minus 10 Grud und Schnee.
    Aber jetzt zu Euch:
    Ja Sabine, auf unseren Benjamin muß man immer aufpassen, erst recht im Jagdgebiet der Australien Gays, aber am rechten Finger von Olaf blitzt ja immer der Ring … .
    Beim Anblick der 3 Schwestern in den Blue Mountains hatte ich - verzeiht mir bitte - ein Dejavue in Richtung Elbsandsteingebirge. Da gibt es auch eine Felsformation, die so änlich aussieht. Ihr könnt es mir ja sagen, seid Ihr wirklich in Down Under?
    Spass beiseite, ich werde heute Abend (wenn Kathi mit ihrer Unterrichtsvorbereitung fertig ist), noch mal mit ihr gemeinsam alle Beiträge von Euch gründlich nachlesen.
    Dabei werden wir in Gedankem mit Euch anstoßen - natürlich zeitgemäß mit GLÖGG, einem verdammt starken, guten schwedischen Glühwein - DAS Knallt!
    Seid herzlich gedrückt und viele Grüße an Crocodile Dundee!!
    Euer Anton, Kathi und Quecksilber Lotte

    Kommentar von Anton — 15. Dezember 2008 @ 17:56

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