Sabine & Olaf go Down Under


13. Januar 2009

Uluru

Kategorie: 06 Red Centre – Olaf – 13:45

Am 06.01. verlassen wir Adelaide nach 2 super Wochen meistens zusammen mit unserer Familie endgültig, und zwar in Richtung des Red Centres. Wir fliegen raus über den Golf St. Vincent und winken noch kurz zu einer kleinen Insel runter, auf die Fiona samt family gestern in den Urlaub gefahren ist. Dann dreht die Maschine nach Norden ab und bald wird die Landschaft unter uns wirklich karg. Rote Erde und ausgetrocknete Salzseen, etwas karges Grün.
Wir hatten im Vorfeld unserer Reise lange überlegt, ob wir zu den roten Steinen fahren sollten. Es würde wohl im Sommermonat Januar kein Australier auf die Idee kommen, freiwillig in die Wüste zu fahren. Und auch von Touristennepp war manchmal die Rede. Dann entschlossen wir uns doch zu diesem Trip und planten dafür 5 Tage ein. Die lange Autofahrt von Adelaide aus nach Norden durch die Wüste schenken wir uns jedoch und nehmen das Flugzeug. Auf dem Flughafen von Alice Springs angekommen geht es dann per Auto zuerst mal weiter in die Stadt. Und hier ist es dann wirklich heiß, das Thermometer zeigt um Mittag herum 38°C. Die Landschaft sieht jedoch nicht ganz so braun und verbrannt aus, wie es um diese Jahreszeit normal wäre. Hier ist zwischen Weihnachten und Neujahr ungewöhnlicherweise Regen gefallen, und sofort fängt es erneut an zu Grünen, besonders die Gräser schaffen das in ein paar Tagen.
Alice selbst ist eine ziemlich unspektakuläre Stadt. Entstanden ist sie mit dem Goldrausch um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jhd. Davor war hier nur eine Telegrafenstation, in der ein Repeater das Signal auf dem Weg von Darwin nach Adelaide auffrischte (davon gab es 20 auf der 3.000 km langen Strecke). Mit der Fertigstellung dieser Trasse 1872 verkürzte sich die Laufzeit der Nachrichten aus dem Mutterland von ca. 3 Monaten auf ein paar Stunden. Das war schon ein beachtlicher Fortschritt.
Wir besteigen den ANZAC Hill samt ANZAC Memorial (Australien New Zealand Army Corps). Von da hat man einen guten Blick auf die ganze Stadt samt einem Teil der südlich gelegenen McDonnell Ranges.

Nachmittags fahren wir in den Desert Park, einen Naturpark, der einem die Flora und Fauna der Wüste gut nahe bringt.

   

Dann ziehen doch schon wieder mehr Wolken auf und siehe da, es fällt wieder etwas Regen und es gibt neben ziemlich interessanten Wolken- und Lichterscheinungen einen Regenbogen über Alice Springs.

       

Am nächsten Früh geht es zeitig raus auf die Piste zu den roten Steinen. Das heißt im Klartext 200 km geradeaus nach Süden, rechts abbiegen, und dann 250 km nach Westen. Die Straße liegt schnurgerade vor uns, die restlichen Wolken verziehen sich und los geht es.

   

Das Schild am Ortsausgang von Alice empfinde ich als ziemlich absurd, denn es gibt auf diesen gesamten 450 km keine Ampel, keinen Ort und nur eine Kreuzung.

Aber so sind die Australier. Ich wollte schon mal einen eigenen Beitrag über Warn- und Verbotsschilder machen, aber das hätte dann doch jeden Rahmen gesprengt. Ich meine wir kommen schon aus einem sehr regulierten Land, aber was die Aussies an teilweise abstrusen Warnungen und Verboten haben und in welchen Mengen sie das kundtun, das verwundert schon stark. Woher das kommen mag ist dann mal eine andere Geschichte.
Bis zum Abzweig nach 200 km bei Erlunda kommen uns genau 20 Fahrzeuge entgegen, die man hier im Outback alle grüßt. Dann wird es richtig heiß, wir haben draußen 41°C und die Airco schuftet ordentlich. Dann gibt es südlich eine erste Landmarke in der brettflachen Gegend, Mount Conner. Auf der anderen Seite liegt wieder ein ausgetrockneter Salzsee.

           

Wer sich jetzt über mein komisches Outfit wundert; Es gibt hier in der Wüste Millionen von Fliegen, die nur darauf warten, dass du mal aus dem Auto kommst. Dann fallen sie in Scharen über dich her und setzen sich bevorzugt an die Lippen, kriechen unter die Sonnenbrille an die Augen oder besser noch in Nase und Ohren. Das ist fürchterlich! Deshalb trägt fast jeder hier draußen so ein Fliegennetz. Ohne dies wedelt man ununterbrochen, jedoch meist nutzlos, mit den Armen vor dem Kopf herum.
Weiter geht es, und die Farben und Kontraste werden immer satter, je höher die Sonne steigt.

       

Und dann, am frühen Nachmittag, liegt der Uluru erstmals in Sichtweite vor uns.

Pukulpa pijama Ananguku ngurkakutu! Das heißt in der Sprache der Anangu, der hier beheimateten Gruppe der Aboriginies, soviel wie: Willkommen im Anangu-Land! Ob sie uns aber wirklich willkommen heißen, das wage ich zu bezweifeln. Denn schließlich fallen wir in Heerscharen über ihre ureigensten Heiligtümer her. Es hat sich da in den letzten Jahren wohl schon vieles verbessert in punkto Anerkennung der Rechte und der Kultur der Anangu. Trotzdem wird des wohl immer ein Kompromiss bleiben.
Wir fahren zuerst mal um den Berg herum. Es gibt neben dem basewalk, dem Wanderweg, auch eine durchgehende Straße um den Berg. Jetzt, in der absoluten Nachmittagshitze, ist auf dem walk keiner zu sehen und nur ein paar Reisbusse sind noch hier unterwegs.
Sicher kennt jeder den Berg schon von etlichen Fotos. Und doch sind wir beim Näher kommen überrascht. Denn so zerklüftet, wie er aus der Nähe aussieht, haben wir ihn uns nicht vorgestellt. Und noch etwas ist beeindruckend: Die schiere Größe! Wenn man die Fotos sieht, fehlt einem ja immer der Größenvergleich. Ringsum ist nichts und man weiß auch nicht, aus welcher Entfernung die Bilder aufgenommen wurden. Aber dieser Klotz ist einfach mal 348 m hoch und 3,5 km lang.

           

Auch ist die Farbe, dieses schlichte braun, nicht das, was man von Fotos her kennt. Aber in diese satten rot erscheint der Felsen eben nur wenige Minuten während des Sonnenuntergangs.
Wir kommen an der Stelle vorbei, an der man den Berg besteigen kann. Wir hatten schon im Vorfeld beschlossen, das nicht zu tun. Denn das widerstrebt den Anangu am Meisten. Aber selbst wenn wir es gewollt hätten, der Aufstieg ist die ganzen drei Tage gesperrt. Es ist einfach überhaupt nicht möglich, bei diesen Temperaturen ohne Gefahr für Leib und Leben in der prallen Sonne diesen steilen Aufstieg zu machen!

   

Dann fahren wir erstmal ins Ayers Roch Resort Yulara. Das ist schon irgendwie dekadent. So ein Touristenort mitten in der Wüste. Sogar einen kleinen Pool hat es hier, den man wahrscheinlich mit Tonnen von Chemikalien am umkippen hindert. So riecht es in dessen Nähe zumindest.
Dann machen wir uns erneut auf zum Stein, wir wollen den Sonnenuntergang sehen. Der Tipp dazu lautet mindestens 1,5 Stunden vorher loszufahren, da am Eingang zum Nationalpark lange Schlangen zu erwarten sind. Aber nichts dergleichen, es gibt eben doch nicht ganz so viele Verrückte wie uns in dieser Jahreszeit hier. Also sind wir beizeiten da und haben ein gemütliches Plätzchen zum Schauen bald gefunden.

       

Und dann, pünktlich um halb acht :-) geht es los. Innerhalb weniger Minuten wechselt der Berg die Farbe von einem hellen braun zu rotbraun, hellrot und purpurrot. Als die Sonne dann verschwunden ist bleibt ein dunkelbrauner Klotz da liegen. Das ist beeindruckend!

                           

Auf dem Rückweg zum Resort sehen wir den anderen Berg bzw. die Berggruppe Kata Tjuta im Gegenlicht in der Nacht verschwinden.


Der lange Tag und die Hitze steckt in den Knochen und morgen wollen wir ja zum Sonnenaufgang wieder am Berg sein. Also ab in die Falle.

Um 4.30 Uhr klingelt der Wecker :-( . Aber der Sonnenaufgang, der hier an der Rezeption immer minutengenau nachzulesen ist, ist halt heute 6.03 Uhr. Und dann wollen wir ja den ca. 10 km langen walk machen, bevor die Hitze wieder unerträglich wird. Jetzt sind es angenehme 25 °C. Die Nacht hängt noch über der Wüste, aber die Sonne ist schon zu erahnen. Der Rest eines schönen Sternenhimmels ist zu sehen. Auf der Ostseite des Berges warten wir und lauschen in die Stille. So still ist es nicht mehr, da ist schon Leben und Zirpen in den Sträuchern.

Und dann kommt die Sonne raus und es wiederholt sich an anderer Stelle und in umgekehrter Reihenfolge dieses gigantische Farbspiel. Aber nein, es ist eigentlich keine Wiederholung, es sieht schon anders aus.

           

Unsere Wanderung beginnen wir, jeder mit drei Litern Wasser im Rucksack ausgerüstet, zuerst noch im Schatten. Einige Stellen des Berges sind heilige Kultstellen. Diese sind weder zugänglich noch dürfen sie fotografiert werden. Aber auch andere Stellen haben aus der Nähe in dem Morgenzwielicht große Reize.

   

Dann kommt die Sonne um die Ecke.

   

Wir wandern weiter und es gibt so viele faszinierende Facetten zu sehen, dass wir einfach immer nur schauen können. Ich will das jetzt auch nicht weiter beschreiben.

                       

Nach 2,5 Stunden sind wir gegen 9 Uhr mit fasst aufgebrauchten Wasservorräten wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung. Das Thermometer zeigt um diese Zeit immerhin schon wieder 37°C. Das ist hier auch wieder der Punkt, an dem man auf den Berg aufsteigen könnte, wäre es nicht verboten. Aber wer das jetzt wirklich versuchen würde, hätte einen wahrhaften Knall! Insgesamt sind bei der Besteigung des Berges 35 Menschen ums Leben gekommen.

Wir fahren zurück ins Resort und sinken in unserem dekadent klimatisierten Hotelzimmer in tiefen Schlaf………

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1 Kommentar »

  1. Dieser Berg hat ja tatsächlich Merkmale eines Lebewesens…

    Kommentar von WolfRam Dix — 13. Januar 2009 @ 20:20

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