22. Dezember 2008
Heute, am 18.12., verlassen wir die Küstenregion erst einmal wieder, um uns auf zu den Grampians zu machen. Dieser Nationalpark liegt so ca. 200 km nördlich von hier und soll einer der schönsten in Victoria sein. Und es hat hier eine ganze Menge an Nationalparks.
Bei Penshurst liegt rechterhand ein kleiner Hügel, der sich Mount Rouse nennt. Da steigen wir die paar Meter mal schnell rauf, um einen Überblick über die hier sehr flache ländliche Gegend zu bekommen. Von oben kann man im Norden auch schon die ersten Ausläufer der Grampians sich aus dem Dunst schälen sehen.

Die Straße ist vollkommen leer (außer uns natürlich), und so geht es flott weiter.

In Dunkeld machen wir kurz Rast in einem Café, und dann geht es rein in die Berge. Ein Schild, was wir hier aber schon sehr oft gesehen haben, macht uns Hoffnung, heute nun mal ein paar Roos in natura, und nicht nur auf dem BBQ-Grill, zu sehen.

Wir lassen uns Zeit und schauen gespannt in die Landschaft. Und siehe da, heute haben wir Glück! Schnell mal angehalten und dann können wir in aller Ruhe das australische Nationaltier aus der Nähe studieren. Die scheinen vor uns nicht so richtig Angst zu haben, was uns natürlich freut.

roos hoppin’ away
Nachdem wir genügend geschaut und die Tiere dann auf ihre unnachahmliche Art und Weise im Unterholz verschwunden sind, geht es weiter nach Halls Gap. Dieser kleine Ort mit ca. 300 Einwohnern, jedoch 6.000 Betten und einem Caravan Park, liegt im Herzen des Nationalparks und ist Ausgangspunkt vieler Wanderrouten. Wir finden problemlos Platz mit unserem Bulli und machen uns alsbald auf den Weg zum Brambuk Cultural Centre. Dieses Centre wird von Aboriginies betrieben und zeigt eine unheimlich interessante Ausstellung über deren Lebensweise, bevor die Europäer den Kontinent besiedelten. Das Gebäude hat eine sehr eigene Architektur; es verkörpert die geöffneten Flügel eines Kakadus (Brambuk).
www.brambuk.com.au
Am nächsten Tag ist ein super Wetter und wir entscheiden uns, eine Wanderung zu The Pinnacle, einem der Wahrzeichen der Grampians und ein hervorragender Aussichtspunkt, zu machen. Es erwarten uns 12 km und ca. 400 m Höhenunterschied, also denn mal los.
Die Grampians wurden in 2006 auch von verheerenden Buschbränden heimgesucht, die sehr viel Flora vernichteten. Selbst Halls Gap hätte um ein Haar aufgegeben werden müssen. Diese Brände sind jedoch auch ein wichtiges Mittel zur Regeneration der Pflanzenwelt in Australien und gehören zur Natur einfach dazu. Nur seit der Mensch immer weiter in die Wälder hinein siedelt, werden sie so katastrophal wahrgenommen. Es gibt zum Beispiel eine spezielle Art der Eukalyptusbäume Australian Ash (Australische Esche), die erst ab einer Höhe von 900 m vorkommen. Die haben sich so an ihren Lebensraum angepasst, dass deren Samen die Hitze der Brände zum Aufplatzen und Keimen benötigen, ohne Feuer gibt es keine Fortpflanzung dieser Bäume.

Wir wandern über Stock und Stein bergan, direkt angelegt sind die Routen nur auf einem geringen Teil der Strecke. Meist geht es direkt über den nackten Fels.

Der Tag ist warm, daher kommt Abkühlung auch manchmal wie gerufen.

Nach 2,5 Stunden oben angekommen bietet sich uns ein phantastischer Ausblick vom Pinnacle.

Ich genieße lange diesen Blick und Sabine findet derweil ein schönes Plätzchen.

Bergab geht es dann teilweise durch ziemlich enge Spalten, bei denen ich immer mal wieder mit dem Rucksack hängen bleibe. Andere Bergbewohner haben da gewisse vorteile……..

Als ich nach 6 Stunden wieder unten angekommen sehe, wo wir da grad gestanden haben, bleibt mir nicht viel mehr übrig, als die Stühle rausholen und ein Nickerchen machen.

Der Tag klingt in aller Ruhe aus, Sabine schaut noch mal ein paar Bilder auf dem Laptop (sagt sie, vielleicht ist es aber auch bubble, was da läuft??
).

Nachts werde ich durch komische Geräusche wach. So schnarcht doch keiner, oder? Sabine ist auch wach geworden und wir lunsen mal aus dem Fenster ins Mondlicht. Da tummelt sich doch eine ganze Kangaroo-Familie um unseren Camper, das müssen so 15 Tiere sein! Wir beobachten sie eine Weile und fallen dann wieder in Schlaf………….
21. Dezember 2008
Wir verlassen Melbourne, wie sollte es auch anders sein, im Regen. Der Verkehr ist dick, und über die West Gate Bridge führt der Highway M1 aus der Stadt heraus. Von der Brücke sieht man noch einmal die rieseigen Hafenanlagen der Stadt, Melbourne hat den größten Containerhafen Australiens.
Bis Geelong geht es recht zügig, danach ist die M1 zu Ende und wir fahren weiter Richtung Torquay.
Die B 100 (nicht die nach Halle!
) wird dann nach Angelsea zur Great Ocean Road, ein großes Tor begrüßt uns und weist darauf hin. Die Landschaft wird wieder bergiger und die Straße windet sich in Serpentinen am Hang entlang. Es ist wirklich schon hier eine großartige Route, die sich in unterschiedlichen landschaftlichen Gesichtern die nächste Zeit meist direkt an der Küste hinziehen wird. Es gibt aller nasenlang die verschiedensten lookouts, von denen wir reichlich Gebrauch machen, obwohl ja die Sicht heute nicht ganz so toll ist.

In Lorne steuern wir den Infopoint an, um uns für die nächste Strecke mit Kartenmaterial und anderweitigen Tipps und Infos zu versorgen. Einen empfohlenen Wasserfall etwas im Inland lassen wir weg; so schöne wie in den Blue Mountains kann es hier ja gar nicht haben.
Aber den Tipp zu „Teddy’s Lookout” (Teddy war also auch schon mal hier?
) ein paar Serpentinen nach oben zu drehen, nehmen wir an. Eine schöne Aussicht auf einen Teil der Piste hat man hier, trotz Regens.

Ich versuche den Regen aber schnell mal wegzulachen, und es klappt auch!

Hier in der Gegend soll es ziemlich viele Koalas geben. Wir denken uns aber, dass die sich sicherlich nicht auf der Hauptroute tummeln werden. Also versuchen wir mal die nächste Möglichkeit, um einen Abstecher ins Gebüsch zu machen. Auf einer unbefestigten Straße bei Kennett River lasse ich den Bulli langsam den Berg raufkriechen, er ächzt und stöhnt auf der schlechten Piste. Und wir beide lunsen aus den Fenstern. Die Tierchen sollen recht schwer auszumachen sein, da sie sich meist fast regungslos oben in den Eukalyptusbäumen auf Nahrungssuche befinden. Aber Familie Grzimek hat doch nach einer Weile großen Erfolg! Sabine macht den ersten gar nicht so hoch im Geäst aus.

Der ist ja dermaßen putzig, beäugt uns, wie wir ihn, und macht sich dann wieder an den Blättern zu schaffen. Ein Stückchen weiter hängt dann einer im Baum, der wahrscheinlich schon ziemlich satt ist. Er schläft, und lässt sich von uns auch nicht dabei stören.

Und noch etwas weiter finden wir dann gleich zwei in einem Baum.

Unsere Blicke sind jetzt dermaßen Koala-geschärft, dass wir mit zählen aufhören. Es sind wirklich ziemlich viele hier zu finden.

koala moves
Nach einer Weile sollten wir dann aber doch wieder mal umdrehen. Wir sind schon etwas abseits der GOR (in Fachkreisen auch Great Ocean Road genannt
) gekommen, und die wollen wir ja eigentlich weiter nehmen. Zurück auf der Straße fahren wir weiter bis Apollo Bay und machen dort noch einen kleinen Stopp. Viel weiter wollen wir heute auch gar nicht, uns wurde ein schöner abgelegener Campground im Otway National Park empfohlen, unweit der Lightstation. Es geht langsam auf Abend, also fahren wir mal da hin. Der Platz ist wirklich weit ab vom Schuss. Ein kleiner Steppke von vielleicht 12 Jahren macht das Büro, und das auf eine unheimlich lustige und nette Art (Do you need some coins for the shower? *lächel*). Wahrscheinlich der Sohn der Betreiber. Es gibt einen freien Slot, Strom und Quellwasser aus dem Hahn. Der so genannte „Bimbi” – Park (Aboriginiesprache für Vögel) wirbt in einem Faltblatt mit „camping under Koalas”. Und siehe da, wir haben uns gerade etwas eingerichtet, da ist doch kurz vorm Dunkelwerden noch ein netter Vertreter im Baum neben uns zu Gange!
Als er dann genug von uns hat, putzt er sich und verschwindet im Geäst.

Sabine kann dann aus dem Bulli raus noch eine Weile ein Weibchen mit einem Kleinen beobachten, für Fotos ist es dann aber schon zu dunkel. Und für uns ist dann auch bald Feierabend.
Am Donnerstagmorgen machen wir uns auf zur Cape Otway Lightstation. Wandern wäre schön gewesen, aber naja, ich sag zum Wetter nichts mehr. Also fahren wir hin. Der Leuchtturm samt Anlagen drum herum wurde ab 1859 errichtet und ist offen zugänglich. Cape Otway ist der südlichste Punkt an der Bass Street, der Meeresenge, die Australien Festland von Tasmanien trennt. Es gibt hier herum unheimlich viele Untiefen und kleine Inseln, Strömungen und Unterströmungen. Nicht umsonst wird der weitere Küstenabschnitt ab hier auch „Wreck Coast” genannt, unzählige Schiffe sind hier an den Klippen zerschellt. Kapitäne sprachen früher auch davon, dass das Steuern durch diese Enge wie das Einfädeln eines Fadens ins Nadelöhr ist.
Wir lesen viel über die unterschiedlichsten Schiffstragödien. Da kamen die meisten nach über drei Monaten auf See von England bis hierher, um dann kurz vor der Einfahrt in die Port Phillip Bay bei Melbourne dann doch noch unterzugehen. Wie hat sich das Reisen doch in 150 Jahren verändert! Und noch etwas Interessantes lesen wir. Neben dem Leuchtturm wurde 1942 eine Radarstation errichtet. Der Grund war: Im November 1940 lief das US-amerikanische Dampfschiff City of Rayville hier auf eine deutsche Mine :-O und sank. Das war die erste Beteiligung der USA im 2. Weltkrieg. Und das hier unten vor der Südküste Australiens??
Ziemlich einsam muss es hier für die Leutchen auf dem Leuchtturm gewesen sein. Eine Straße gab es erst nach 1920. Auf dem Turm lassen wir uns noch ein bisschen was erklären und weil wir so neugierig sind, lässt der Wärter die noch funktionierende Kuppel mal eine Runde drehen. Obwohl seit 15 Jahren außer Betrieb, funktioniert das noch tadellos. Am Anfang wurden die Lampen hier mit Walöl betrieben, was man ca. 25 km weit sah. Später, mit elektrischem Betrieb, ging es 48 km weit. Jetzt gibt es eine kleine automatische Station weiter vorn am Riff, der Turm war zu teuer im Unterhalt. Und außerdem nutzen jetzt eh alle Schiffe GPS.
Mit uns schauen auch noch andere raus aufs Meer.

Und die ganz unmaritimen Gefahren der Fauna soll man hier auch nicht ganz aus den Augen verlieren!! Zwar nicht hier, aber später bei den 12 Aposteln windet sich vor Sabine dann auch unsere erste, ca. 1 m lange Vertreterin dieser Gattung über den Weg. Ich verpasse sie zwar, aber viele aufgeregte Japaner rufen auch : “Snake, Snake!”

Die Küste macht selbst bei dem wenigen Wind heute einen nicht ungefährlichen Eindruck.
cape otway
Weiter geht es die GOR entlang und wir nehmen uns vor, bis Princetown zu fahren und dann zu den 12 Aposteln zu wandern. Aber irgendwie müssen wir Princetown wohl übersehen haben, da sind wir doch schon bei den Aposteln! Ich wundre mich stark.

Das ist hier der erste Ort in Australien, wo richtiger Touristentrubel herrscht. Busladungen von Japanern werden angefahren und es wird geknipst und gefilmt, dass es nur so eine Pracht ist. Naja, ich bin ja auch nicht viel anders
Diese Küstenformation ist wirklich bizarr und eindrucksvoll. Was die See hier in tausenden von Jahren geformt hat, wirkt wie Architektur. 12 Apostel sind es aber schon nicht mehr, die Küste verformt sich ja ständig weiter. Felsen stürzen zusammen, neue werden ausgewaschen, eine ständige Veränderung. Neben den 12 Aposteln gibt es aber im weiteren Verlauf der Küste noch jede Menge andere interessante Felsformationen zu sehen.

12 Apostels view
Beim Anblick der oft steilen Küsten kommen uns wieder Gedanken an Seefahrer und Schiffbrüchige. An manchem Abschnitt hätte selbst ein Seemann, der nicht ertrunken ist, keine Chance auf Rettung. Denn es gibt oft keinen Strand oder einen Weg, die Cliffs zu ersteigen. Und die Brandung tut dann ihr Übriges…….
Weiter geht unsere Route die GOR entlang. In Peterborough machen wir noch einen schönen Strandspaziergang, hier ist man wieder allein.

Wir fahren heute noch weiter bis Port Fairy. Dort gibt es in einem Restaurant leckeren frischen Fisch und auf dem Campground ein offenes WLAN: Endlich können wir am Abend mal wieder in Ruhe mit unseren Kindern skypen.
18. Dezember 2008
Wir sitzen gerade in Port Fairy und freuen uns sehr über all euere neuen Einträge! Sind heute die Great Ocean Road entlang gekommen, aber jetzt gibt’s erstmal was anderes zu lesen.
P.S. an Bettina: Sabine schafft es leider nicht mehr zur Weihnachtsfeier!
Ist sie entschuldigt?
3. Advent
Die Nacht war sehr sehr ungemütlich, wir konnten nur schlecht schlafen. Es regnete, nein, es schüttete ohne Unterlass auf das Dach unseres Bullis, dass es nur so dröhnte. Und der Sturm pfiff über die Dünen, dass es nur so wackelte. Ich wollte mal rausschauen, aber da war es ja abseits der Zivilisation stockdunkel. Ich dachte mir nur, dass am nächsten Morgen das Wasser wohl ziemlich hoch stehen würde. Gegen Morgen wurde es dann etwas ruhiger.
Da wir den Tag nichts weiter geplant hatten, war mal Ausschlafen angesagt. Sonst sind wir die Tage bisher immer schon gegen 7 Uhr aufgestanden, irgendwie waren wir um diese Zeit halt munter. Doch noch Jetlag?? Heute will, kann und muss aber keiner vor die Tür. Nach dem Frühstück ist Lesen, Kaffeetrinken und Faulenzen angesagt.
Gegen Nachmittag hört es doch aber tatsächlich noch einmal auf zu Regnen, und das restliche Wasser versickert schnell im Sandboden. Da machen wir noch schnell eine schöne Strandwanderung. Und siehe da, wir treffen auch auf unser erstes Krokodil!!

Und dann kommt noch kurz vorm Dunkel werden die Sonne einmal raus, was schnell noch etwas genossen werden muss. Den Glühwein haben wir vor dem Trinken aber erst kalt werden lassen!

Wie 3. Advent ist uns überhaupt nicht zumute, diese Stimmung kann hier irgendwie nicht aufkommen.
Irgendwann ist es dann wieder dunkel, und wir sind erstaunt, dass wir hier in der Einöde nicht ein Kangaroo, einen Koala, eine Schlange oder sonst irgendein Tier gesehen haben (außer lästige Fliegen natürlich
). Na denn, Gute Nacht!
Montag früh fahren wir ab Richtung Seaspray. Ich bekomme eine SMS von Fred, der gestern gern etwas mit mir organisieren wollte. Tja, wir waren halt gerade fast zwei Tage out of reach, keine Kommunikation möglich. Ich rufe ihn aus einer Zelle in Seaspray an und sage, dass wir so gegen 1 pm in Melbourne sein werden, sind ja noch ca. 250 km. Wir sollen uns melden, wenn wir da sind, dann leiten sie uns weiter.
Kurz vor Melbourne schauen wir noch mal in die Karte, um eine grobe Orientierung von der Stadt zu bekommen. Als typische, in die Fläche zersiedelte 3,5 Mio-Stadt, ist sie schon ganz schön weitläufig. Wir sind schon sehr gut in der Wahl unserer Abfahrt vom Highway, nehmen noch ein paar Blöcke und bleiben dann an einer Mobil-Station stehen. Wir rufen Fred an und geben unsere Koordinaten durch, und kurz später kommt er mit Justin angerauscht. Wir wissen bisher eigentlich nichts über unsere Verwandtschaft in Melbourne und von Justin höre und sehe ich das erste Mal etwas. Es ist dann aber unheimlich erfreulich, dass ich auf einmal zwei Cousins und eine Cousine 2. Grades in Melbourne habe, Justin ist einer davon. Super! Wir folgen den Beiden und sind dann auch ziemlich schnell bei Monica und Mervin angekommen.

Zum Abdampfen machen wir alle erstmal einen Spaziergang durch einen nahe gelegenen Park, und es gibt ja so viel zu erzählen!! (was die nächsten beiden Tage so anhalten wird).
Was ist für den Abend geplant? Natürlich ein australisches BBQ mit Kangaroosteaks vom Grill. Aha, die Tiere gibt es, wenn auch nicht mehr ganz lebendig, also doch!
Es wird so ein intensiver, netter und ausgelassener Abend mit so vielen lieben Menschen! Monica und Mervin entpuppen sich als kundige Jazzfans mit einer entsprechenden ausführlichen CD-Sammlung. Ihr ältester Sohn Anthony samt Familie sind auch mit von der Partie und es wird so viel Neues und Interessantes erzählt, dass uns am Ende der Kopf und der Magen so voll sind, dass wir gar nicht richtig schlafen können. Ein herrlicher Tag!

Am Dienstag wollen wir alle zusammen nach Melbourne reinfahren (das Zentrum ist von ihrem Subburb Glen Waverly ca. 22 km entfernt). Unsere Familie erweist sich als kundige Stadtführerin. Eine Rundfahrt mit der City Circle Tram schafft einen guten Überblick, aber nicht sehr viel mehr. Wir sind es eigentlich gewöhnt, uns eine Stadt zu erlaufen. Doch dazu haben wir leider keine Gelegenheit: Verwandtschaft first!
Danach inspiriert uns noch die Architektur des umstrittenen Federation Square und eine Ausstellung von Aboriginie Kunst.

Und da, sogar mitten in der Stadt, sind wieder unheimlich gefährliche australische Tiere zugegen!!

Wir fahren dann raus aus der Stadt an den Strandbereich, wo wir später noch Nicole, auch eine Cousine 2. Grades, treffen wollen.

In einem Strandcafé kommt sie dann auch, zusammen mit 4 Kindern, an. Es sind ihre beiden Zwillinge, sowie zwei befreundete Kinder. Sie ist leider ziemlich geschafft und hat auch nicht so viel Zeit, aber es ist trotzdem eine sehr schöne Begegnung. Eine interessante Familie ist das schon. Ihr Mann (der leider keine Zeit hatte zu kommen) stammt aus Sri Lanka und spielt hobbymäßig Schlagzeug in einer Band. Und sein Bruder hat wohl mal in einer Tourneebesetzung von Sting mitgespielt. Ob das aber nur eine Familiengeschichte ist, muss ich noch mal recherchieren!

Nachdem wir zurück gefahren sind, wird der Abend einfach wunderbar! Justin kommt mit seiner Frau Mary, die italienische Wurzeln und ein dementsprechendes Temperament hat, zum Abendessen vorbei. Und sie mischt den Laden erst richtig auf! Der Abend wird toll, bunt, rauschend und es ist einfach nur schön mit all den lieben Leuten zusammen zu sein! Sabine und Mary schließen noch eine Wette ab. Mal sehen, wer von Beiden bei irgendeinem späteren Treffen gewinnen wird!
Aber dann brummt uns auch so richtig der Kopf von dem ganzen Tag!

Am nächsten Morgen sind wir dann allein mit Inge und Mon, Merv geht mit seinen 70 Jahren noch jeden Mittwoch einen Tag als Consultant für seine alte Firma Telstra (wie T-Mobil in D) ins Büro in die City. Nach einem gemütlichen Frühstück verabschieden wir uns, wenn auch ungern, und machen uns auf zu unserer nächsten Etappe. Wir hoffen sie alle, wo und wie auch immer, irgendwann einmal wieder zu sehen!!
P.S.: Das Wetter, das wie schon fast gewohnt, mit Regen und wenig Wärme ziemlich mies war, hat uns diese zwei Tage überhaupt nicht interessiert. 
15. Dezember 2008
Wir sind gerade in Melbourne und da kommt nun wieder mal ein Bericht. Wir laecheln nun auch schon viel mehr, das letzte Bild vom Blue Mountains Bericht war wirklich sehr grimmig. Aber es war das Einzige mit mir drauf, und ich will ja auch mal dabei sein!
Also, wieder viel Spass beim Lesen und wir sind gespannt auf Eure Kommentare!!
Am Donnerstag früh in Gundagai erwartet uns ein herrlicher Morgen! Wir sitzen beim Frühstück auf der Wiese und kommen kurz mit einem unserer Platznachbarn ins Gespräch. Und wieder mal ist es kein geborener Australier, sondern ein Engländer, der uns auf Grund unserer Campermarke „Britz“ erst auch nach GB verortet. Wahrscheinlich haben die wohl ihren Stammsitz auf der Insel, wir wissen es nicht. Aber im Gespräch fällt dann von ihm ein Satz, den wir nach unseren bisherigen Erlebnissen nur unterstreichen können: „The whole world meets in Australia.“ Stimmt.
Dann machen wir uns auf Richtung Süden, um heute die Snowy Mountains zu durchqueren. In Tumut müssen wir noch schnall tanken und was zu essen kaufen, dann geht es rein in die Berge.
Nach kurzer Fahrt liegt da rechts ab ein wunderschöner See. Also erstmal ran fahren. Beim näheren Hinsehen ist es ein Stausee, der, wie wir später erst erfahren werden, zu dem gigantischen „The Snowy Mountains Scheme“ gehört. Man sieht, dass der Wasserstand im Moment nicht sehr hoch ist.
Der Ort, das Licht und die Farben sind einfach fantastisch!

Wir schrauben uns weiter in die Berge hoch und erreichen eine Hochebene, die von den Farben, der Stille und Weite einen unwahrscheinlichen Reiz hat. Wir halten an und sitzen eine ganze Weile da und staunen und schauen. Und obwohl wir uns ja auf dem sogenannten „Snowy Mountains Highway“ befinden, kommen während dieser vielleicht halben Stunde gerade mal zwei weitere Autos vorbei. Hier könnte man den ganzen Tag bleiben, aber das wird uns sicher noch häufiger so gehen.

Ein Stück weiter biegen wir zum Mount Selwyn ab. Dort oben angekommen stehen wir in einem der Skigebiete Australiens, von denen wir noch andere zu sehen bekommen werden. Man denkt bei Australien nicht notgedrungen an Schnee, oder? Aber hier muss zur Winterszeit ganz schön Betrieb sein, wie der Riesenparkplatz (auf dem ich heute allein genug Platz zum Wenden habe
) und die vielen Lifte vermuten lassen.

Auf der weiteren Tour genießen wir immer mehr die Weite, die Farben, die Stille und die Einsamkeit in diesem großen Gebirge.
Was auch noch auffällt sind die vielen toten Bäume. Auf unserem gesamten Weg haben wir schon immer viele verbrannte Bäume gesehen, aber hier ist es noch auffälliger. Von der gesamten Nationalparkfläche von 690.000 ha sind 2002 321.000 ha Buschbränden zum Opfer gefallen. Die südliche Parkhälfte war zu 90 % verbrannt. Das kann man immer noch erahnen.

Wir kommen noch am riesigen Lake Eucombene (auch ein Stausee) vorbei, bevor wir uns am heutigen Tag nach reichlich 300 km in Jindabyne eine Bleibe suchen. Schade. Gerade haben wir mal einen Platz direkt an einem See (Lake Jindabyne) gefunden, da fängt es doch am Abend gleich an zu regnen. Also nix mit schön draußen sitzen und vielleicht auch noch baden. 
Am Freitagmorgen sieht es wettermäßig nicht viel besser aus, eher schlechter. Wir frühstücken im Bus und packen zusammen. Heute wollen wir eigentlich den Mount Kosciuszko erwandern. Dazu wäre es am Besten, von Thredbo aus eine ca. 18 km langen Track hochzulaufen. Aber auf Grund des Wetters fahren wir erstmal Richtung Charlotte Pass hoch. Wir lassen uns von diesem S…..wetter nicht den Tag verderben.

Bei der Einfahrt in den Nationalpark müssen wir ein paar Dollar löhnen. Dafür kann uns die nette Frau doch aber gleich mal mit der wheather forecast vertraut machen. Und die lautet: Regen, Regen und am Nachmittag? Noch mehr Regen.
Naja, weiter geht es die Höhe hinauf, Sabine liebt inzwischen die australischen Serpentinenstrecken außerordentlich. 
Und im Winter scheint es hier auch mächtig Schnee zu geben.

Oben angekommen kann man den höchsten Berg Australiens nur erahnen. Der Rest ist in den Wolken verschwunden. Wir hatten auf der Fahrt von Leipzig nach Frankfurt übrigens von unseren Mitreisenden erfahren, dass die Australier ihren höchsten Berg immer falsch aussprechen und auch irrtümlicherweise denken, der Name käme von den Aboriginies. Sie sagen Mount Ko-si-jos-kou zu ihm. In Wirklichkeit ist es aber ein polnischer Name und wird Kosch-tschusch-ko gesprochen. Tadeusz Kosciuszko war ein in Polen sehr bekannter Freiheitskämpfer des 19. Jhd. Nach ihm hat ein anderer Pole den Berg benannt, der aus Polen nach Australien emigrierte und den Berg erstmals bestiegen hatte. Da werde ich doch unsere australische Verwandtschaft mal auf die Probe stellen, mal sehen, ob sie das wissen.

Aber es ist dermaßen ungemütlich da oben, dass uns nix mehr hält. Wir fahren wieder zurück und wagen noch den Versuch nach Thredbo. Aber auch dort ist das Wetter trostlos.

Was also tun? Die Vorhersage sieht für die nächsten Tage ähnlich aus, also werden wir uns die Besteigung leider verkneifen müssen. Und wir sind auch nicht so ausgerüstet, um hier die Berghelden in Wolken und Nebel zu spielen, dass hatten wir von Australien in dieser Jahreszeit auch so nicht erwartet. Wir beschließen weiterzufahren und wenn wir es schaffen, bis Bright vorzudringen. Nun steht die Frage: Zurück oder über die Berge? Hier stand gerade ein Schild: „Road behind Thredbo unsuitable for Trucks, Busses and Caravans!“ Betrifft das auch uns mit unserem Bulli? Wir versuchen es einfach mal, denn sonst wären es ein paar 100 km mehr. Das nächste Schild verheißt eine nette Fahrt: Serpentinen und starkes Gefälle die nächsten 80 km bis Khancoben, Fahrzeit ca. 2 Stunden. Na prima! Und so geht es dann los, Serpentinen, Kurven und Kehren, die nicht enden wollen. Und Wolken und Regen. Irgendwann kommen von hinten drei Jeeps mit je einem Boot auf einem Hänger hintendran langsam aufgeschlossen, so sind wir wenigstens nicht ganz allein hier. Und wenn die sich mit ihren Trailern die Strecke zutrauen, kommen wir sicher auch gut durch. Wir kurven so ca. 60 km im Konvoi durch die Berge, bis ein Hinweisschild auf einen Rastplatz an der Powerstation Murray 1 kommt. Ich halte an, die drei ziehen vorbei und grüßen freundlich. Das Kraftwerk wirkt imposant und gehört auch zum „The Snowy Mountains Scheme“. Das ist ein riesen System aus 16 Staudämmen, sieben Wasserkraftwerken, 145 km Wassertunnel und 80 km Aquädukten, welches gigantische 4500 Gigawattstunden erneuerbare Energie pro Jahr erzeugt. Laut einer Tafel ist dieses System offiziell als eines der 7 Wunder der Ingenieurkunst der neueren Zeit anerkannt. Wir wussten gar nicht, dass es diese 7 Wunder gibt. Welches die weitern 6 sind, verschweigt uns die Tafel leider, und mal schnell im Netz schauen geht hier ja nicht.

Nun geht es weiter die letzten km bergab. Hinter Khancoban überqueren wir mit dem Murray, der hier noch ein ziemlich kleiner Fluss ist, auch die Grenze von New South Wales nach Victoria. Der Rest der heutigen Tour führt uns noch über den Murray Valley Highway nach Tallangatta. Dort fassen wir noch mal Diesel und fahren dann über den Kiewa Valley Highway bis Mt Beauty und von dort nochmal 30 km Serpentinenstrecke bis Bright. Das alles im Regen. Nach den heutigen reichlich 400 km reicht es mir wirklich erstmal mit der Kurbelei am Lenker. Wir finden einen idyllischen Campground direkt am Ovens River, können aber auf Grund des Wetters auch diesen schönen Platz nicht so ganz genießen.

Mit unseren Nachbarn kommen wir noch nett ins Gespräch. Ein älteres Ehepaar, die südlich von Brisbane an der Gold Coast zu Hause sind. Sie reisen fast das ganze Jahr über durch die Gegend. Und siehe da, sie waren auch schon zweimal in Deutschland, haben Bekannte in Nordhausen und lieben den „lovely steam train to the top of Mount Brocken“ 
Wir berichten etwas über unsere bisherige Tour und geben auch unserer Verwunderung über die vielen australischen Skigebiete Ausdruck. Da haben die Beiden einen schönen Vergleich parat: Die Fläche der gesamten Schneefelder im richtigen Winter ist in Australien größer, als die Fläche der gesamten Schweiz.
Auch das wussten wir so noch nicht und denken, dass es eigentlich nicht so in das europäische Australienklischee passt.
Der nächste Morgen verheißt wettermäßig wieder nichts Gutes. Monica und Merv hatten uns diesen Platz hier empfohlen um eine schöne Wanderung zum Mount Feather Top zu machen. Aber nicht bei dem Wetter! Ich beschwere mich per SMS bei Fred in Adelaide, der aber zurück schreibt: Für uns tue es ihm leid, aber die Australier lieben den Regen bei der sonstigen Wasserknappheit! Na toll! Bevor wir los fahren, schenken uns unsere Nachbarn noch ein Viertel ihres gerade gebackenen Schokokuchens, danke, lecker!!
Wir schlendern kurz durch Bright, aber der Ort ist wie die meisten kleineren Städte unterwegs: Eine Kreuzung und darum alles was man so braucht: Tanke, Supermarkt, Café, Werkstatt, Infopoint und noch etwas mehr.

Wir beschließen das Kapitel Berge abzuhaken und Richtung Süden aufzubrechen. Wir nehmen die Great Alpine Road, die uns nach ca. 20 km mit dem Hinweis begrüßt: Serpentinen und Steigung auf den nächsten 30 km. Und los geht’s. Aber nach zwei Dritteln geht es dann wirklich richtig los: Sabine, wo gehst du hin? Bitte nicht komplett in den Wolken verschwinden, ja?

On Top bei den Mount Hothham Heights wird es dann wirklich richtig ungemütlich: Wolken, Sturm der das Auto wackeln lässt, und Regen. Bitte jetzt nicht liegen bleiben!
real australian weather
Aber dann ist es geschafft, es geht bergab und bald begrüßt uns eine Landschaft, an der wir erkennen können, woher diese australischen Alpen ihren Namen haben.

In Omeo machen wir in dem einzigen Café am Ort einen Lunchbreak und kommen an einem netten kleinen Kriegerdenkmal (zur Erinnerung an die Opfer von World War II und Koreakrieg) vorbei.

Wir fahren weiter über Brainsdale nach Sale und erkundigen uns nach einem netten Stellplatz, vielleicht direkt am Meer? Ja klar, es gebe diverse kostenlose Plätze am Ninety Mile Beach kurz hinter Seaspray. Das ist doch mal was Neues, ohne Platzgebühr und Strom, da fahren wir hin! Wir quetschen unseren Camper kurz hinter der Düne in eine Lücke (wobei ich noch einen Baum touchiere) und klettern erstmal über die Düne. Wow!! Wir haben von den neunzig Meilen Strand hier soweit man nach links und rechts sehen kann sicher mindestens 5 Meilen für uns alleine!

Aber es stürmt hier dermaßen und es fängt auch schon wieder an zu regnen, so dass wir uns in unserem Bus verkriechen. Sabine liest noch etwas und ich schreibe diesen Text für den Blog, dann ist es bald dunkel und Zeit zum Schlafen. Heute haben wir ca. 350 km zurückgelegt.